CALEO Presse

Geringe politische Pflicht, hohe wirtschaftliche Relevanz

Geschrieben von Dr. Patrick Bitter | Mar 30, 2026 10:35:29 AM

Etliche Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren darauf vorbereitet, für das Geschäftsjahr 2025 erstmals ein ESG-Reporting anzufertigen – nun macht die EU eine Rolle rückwärts: Die Schwellenwerte für die Berichtspflicht wurden derart angehoben, dass ein Großteil der Unternehmen nun doch nicht mehr zu ESG-Themen berichten muss. Spielt das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen etwa keine Rolle mehr? Doch, meint Reporting-Experte Dr. Patrick Bitter und weiß, wie Unternehmen das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung am besten angehen sollten.

Es war ein Hin und Her und sorgte in der Unternehmenslandschaft vor allem für Unsicherheit: Im Februar 2025 stellte die Europäische Kommission die Omnibus-Verordnung vor, mit der die Regelungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung harmonisiert und der administrative Aufwand reduziert werden soll. Eine Entlastung der Unternehmen war das oberste Ziel, denn aus der Wirtschaft war Kritik am ursprünglichen Umfang der Berichtspflichten laut geworden. Doch das Omnibus-Verfahren bewirkte zuerst einmal das Gegenteil dessen, was es erreichen sollte. Denn es wurde zu einem Zeitpunkt vorgestellt, in der viele EU-Mitgliedstaaten die bis dahin geltende Corporate Sustainabilty Reporting Directive (CSRD) noch gar nicht in nationales Recht umgesetzt hatten, darunter auch Deutschland. Damit herrschte Rechtsunsicherheit. Zudem wussten viele Unternehmen, die eigentlich ab 2026 berichtspflichtig gewesen wären und bereits entsprechende Vorkehrungen getroffen hatten, nun nicht mehr, ob die Mühen womöglich vergebens gewesen waren. Im April wurde mit dem Beschluss des „Stop-the-Clock“-Vorschlags immerhin klar, dass die Unternehmen der ursprünglich geplanten zweiten Welle der CSRD einen Aufschub erhalten und erst ab 2028 für das Geschäftsjahr 2027 berichten müssen.